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Falafel | chestnutandsage.de

Die Karten haben heute ein weiteres Mal entschieden, was es zu essen geben soll. Nachdem die erste Karte wieder einmal nur Carnivoren erfreut hätte, überlege ich, die Fleischkarten aus dem Tarot-Deck auszusortieren. Die zweite und die dritte Karte jedoch machten mich dagegen umso glücklicher, Falafel und Salat spielte das Schicksal mir zu – The Golden Ball und the Queen of Sides – was will man mehr? Frieden, zum Beispiel. Denn Falafel, diese perfekten, knusprigen kleinen Kichererbsenkugeln, Seelentröster und Mitternachtsimbiss, sie wurden uns von der arabischen Küche geschenkt. Einer Küche die von vielen Menschen zubereitet wird, die bedroht sind. Menschen die ihre Heimat verlassen, weil sie hoffen in Europa, in Deutschland, Sicherheit und eine Zukunft zu finden. Doch Europa zieht die Mauern hoch – und das, obwohl wir doch erst gestern den 60. Geburtstag der römischen Verträge feierten. Und das, obwohl das Fundament der Europäischen Union auf der Achtung und Wahrung der Menschenwürde, auf Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit steht. Und diese Werte sollten doch nicht nur für Männer und Frauen gelten, die das unglaubliche Glück hatten, in den Grenzen dieser wunderbaren Union geboren zu sein, sondern auch für jene, die sich auf der Flucht vor Krieg und Armut auf den Weg in diesen verheißungsvollen Wirtschaftsraum begeben. Das Schicksal hat mir also Falafel geschenkt. Möge es denen, deren Zukunft ungewiss ist, wohlgesonnener sein.  Weiterlesen…

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Auberginen-Couscous | chestnutandsage.de

Es ist nicht immer möglich, man selber zu sein. Manchmal verstellt man sich. Manchmal nicht. Wann das Verstellte zum Teil der eigenen Persönlichkeit wird, diesen Übergang mag man irgendwann nicht mehr auszumachen. Kaum ist die eine Maske abgesetzt, schon ist die andere wieder aufgezogen. Hier die Kollegin, dort die Bloggerin, die Bekannte, Freundin, Cousine, Schwester, Partnerin. Jedes Mal anders und doch immer die gleiche, immer eine Frau, immer ein Mensch. Aber was ist das schon. Ein Mensch? Organe, Blut, Haut, Haare. Träume und Hoffnungen, Ängste und Abgründe. Ein buntes Potpourri an Gefühlen und Taten, auf jede Situation, auf jede Maske abgestimmt. Und genau so ist das ja auch irgendwie bei der Aubergine, die sich bei vielen Menschen nur von ihrer geschmacklosen Seite zeigt. Dabei kann sie, wenn sie möchte, so ein herrliches Gemüse sein. Weich und zart, die Aromatik anderer aufnehmend und dadurch zur besten Version ihrer selbst werdend. Und das – egal ob Gemüse oder Mensch – sollte man ja immer sein. Weiterlesen…

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Oranges | chestnutandsage.de

Bis die Sonnenstrahlen es schaffen mich morgens zu wecken, bedarf es einiger Hindernisse zu überwinden. Die innenstädtische Bebauung, die innenhöfischen noch kahlen Bäume, der schwere Vorhang, der mich gegen allzu frühes aufstehen schützen soll. Haben sie sich jedoch gegen all diese Widrigkeiten zu Wehr gesetzt, schaffen sie es tatsächlich mich an der Nasenspitze zu kitzeln, begrüßen sie mich verheißungsvoll mit dem neuen Versprechen entscheiden zu können, wer ich an diesem neuen Tag sein möchte. Meistens ist das die immergleiche Büroangestellte, die den Freuden des routinierten Alltags begegnet, aber daran kann ich nichts schlechtes erkennen. An routiniertem Essen jedoch, daran kann ich etwas schlechtes erkennen, gibt es doch wenig schöneres, als sich an den abwechslungsreichen Gaben Mutter Naturs zu erfreuen. Und dazu gehören im Moment noch die herrlichen sizilianischen Orangen, die wie überdimensionierte Saphire wahre Geschmacksschätze sind und mir, als ausgesprochenen Nicht-Morgenmenschen, in marmeladiger Form den Start in den Tag versüßen. Weiterlesen…

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Links with Love | Fotografin: Alona Kraft
Fotografin: Alona Kraft

Der Februar, man kann es kaum glauben, läutet trotz Schnee und Kälte den Frühling ein. Auf Fensterbänken werden die ersten Balkonschätze gezogen. Die Heiligen und Märtyrer tun ihre Arbeit, auf dass die von ihnen Beschützten gut durch das Jahr gebracht werden. Die Amseln stimmen ihre ersten schönen Lieder an. Deshalb, heute einmal mehr, alles, was mir in diesem Monat besonders gut gefallen hat:

Habt einen schönen März!
Julia

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General Tso's Tofu | chestnutandsage.de

Wir sind um einen großen, runden Tisch versammelt, jeder von uns hat Essstäbchen in der Hand. Ich blicke unsicher um mich, sehe jedoch nur in Augen, die vor Freude sprühen. Und dann passiert es – die Stäbchen werden wie auf Kommando in den Salat gesteckt und jede einzelne Zutat, die säuberliche aufgetürmt wurde, wird in die Höhe geworfen. Wünsche und Glückwünsche fliegen von einer zur anderen Tischseiten, tummeln sich zwischen Karotten, Gurken und Kohl. Die Salat-Party, die in Singapur zu Chinese New Year gefeiert wird, ist nur der Auftakt in ein stundenlanges Menü, das uns den ganzen Abend verwöhnen soll. Gefeiert wurde, damals wie auch heute, das Jahr des Hahns, das Tatkraft und Energie schenkt. Doch jenen, die in diesem Tierkreiszeichen geboren sind, wird der scharf gewetzten Schnabel, der so oft für Zwietracht und Konflikte sorgt, abgeschliffen, denn im „Ben Ming Nian“ 本命年, dem Jahr des eigenen Tierkreiszeichens, soll kein Hahn sein Glück finden. „Unsinn!“, gackere ich da leise vor mich hin, zumindest mein kulinarisches Glück möchte ich herausfordern! Und deshalb werde ich zum zweiten Mal die Karten darüber entscheiden lassen, was es heute zu essen geben soll. Ich ziehe die erste Karte: The Slice. Pizza! Die gibt es heute also nicht. Die zweite Karte: The Extra Firm One. Tofu also. Die dritte Karte: The Chinese. Wenigstens die Karten meinen es gut mit mir. Zur chinesischen Landesküche fällt mir gleich Mapo Tofu ein, allein die benötigte fermentierte Bohnenpaste will sich nicht finden lassen. Ich wende mich also der klassischen chinesisch-amerikanischen Küche zu und bereite das beliebte General Tso’s Tofu zu, ein wahres Take-Away-Gericht, das, ein wenig süß, ein bisschen klebrig, vor allem mit pfannengerürtem Grün ein herrliches Vergnügen ist und, Beng Ming Nian zum Trotz, ein klein wenig glücklich macht. Weiterlesen…

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Erbsenpizza | chestnutandsage.de

An was glaubst Du? An den Wert von schwerer, körperlicher Arbeit? Daran, dass sich alles ändert, wenn wir groß sind? Das alte, das neue, oder gar kein Testament? Oder daran, dass uns Pizza retten kann? Das ist, trotz aller Zweifel die einen bei der Glaubensfindung ja begleiten können, meine Überzeugung. Gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, sich austauschen und auch kontrovers diskutieren, am besten natürlich bei einem Essen, das allen schmeckt – und wer mag Pizza bitteschön nicht? Das kann einem guten Gelingen von respektvollem Miteinander nur zuträglich sein. Loben wir also, dass die Weisheit der Menschheit, gebacken in Teig, vereint und versöhnt. Auf dass es so sein möge. Weiterlesen…

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