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General Tso's Tofu | chestnutandsage.de

Wir sind um einen großen, runden Tisch versammelt, jeder von uns hat Essstäbchen in der Hand. Ich blicke unsicher um mich, sehe jedoch nur in Augen, die vor Freude sprühen. Und dann passiert es – die Stäbchen werden wie auf Kommando in den Salat gesteckt und jede einzelne Zutat, die säuberliche aufgetürmt wurde, wird in die Höhe geworfen. Wünsche und Glückwünsche fliegen von einer zur anderen Tischseiten, tummeln sich zwischen Karotten, Gurken und Kohl. Die Salat-Party, die in Singapur zu Chinese New Year gefeiert wird, ist nur der Auftakt in ein stundenlanges Menü, das uns den ganzen Abend verwöhnen soll. Gefeiert wurde, damals wie auch heute, das Jahr des Hahns, das Tatkraft und Energie schenkt. Doch jenen, die in diesem Tierkreiszeichen geboren sind, wird der scharf gewetzten Schnabel, der so oft für Zwietracht und Konflikte sorgt, abgeschliffen, denn im „Ben Ming Nian“ 本命年, dem Jahr des eigenen Tierkreiszeichens, soll kein Hahn sein Glück finden. „Unsinn!“, gackere ich da leise vor mich hin, zumindest mein kulinarisches Glück möchte ich herausfordern! Und deshalb werde ich zum zweiten Mal die Karten darüber entscheiden lassen, was es heute zu essen geben soll. Ich ziehe die erste Karte: The Slice. Pizza! Die gibt es heute also nicht. Die zweite Karte: The Extra Firm One. Tofu also. Die dritte Karte: The Chinese. Wenigstens die Karten meinen es gut mit mir. Zur chinesischen Landesküche fällt mir gleich Mapo Tofu ein, allein die benötigte fermentierte Bohnenpaste will sich nicht finden lassen. Ich wende mich also der klassischen chinesisch-amerikanischen Küche zu und bereite das beliebte General Tso’s Tofu zu, ein wahres Take-Away-Gericht, das, ein wenig süß, ein bisschen klebrig, vor allem mit pfannengerürtem Grün ein herrliches Vergnügen ist und, Beng Ming Nian zum Trotz, ein klein wenig glücklich macht. Weiterlesen…

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Erbsenpizza | chestnutandsage.de

An was glaubst Du? An den Wert von schwerer, körperlicher Arbeit? Daran, dass sich alles ändert, wenn wir groß sind? Das alte, das neue, oder gar kein Testament? Oder daran, dass uns Pizza retten kann? Das ist, trotz aller Zweifel die einen bei der Glaubensfindung ja begleiten können, meine Überzeugung. Gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, sich austauschen und auch kontrovers diskutieren, am besten natürlich bei einem Essen, das allen schmeckt – und wer mag Pizza bitteschön nicht? Das kann einem guten Gelingen von respektvollem Miteinander nur zuträglich sein. Loben wir also, dass die Weisheit der Menschheit, gebacken in Teig, vereint und versöhnt. Auf dass es so sein möge. Weiterlesen…

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Schupfnudeln | chestnutandsage.de

Dicke Wolken sind aufgezogen. Sie tragen Sturm in sich der als Wind gesät wurde. Wie ein Tornado zieht er an meinen Haaren, reißt sie von links nach rechts. Wirbelt sie so herum, dass sie sich hinter den Brillengläsern verfangen, mir kurzzeitig den Blick rauben, mich gedanklich verirren. Auf und ab schaukelt er mich. Der Sturm. Die Wut. Die ich als Unmut deklariere und auf zu wenig Schlaf schiebe. Nur die wenigsten wissen, wie ich da reagiere. Die kleinen Hinweise, die nicht hochgezogene Augenbraue, das laute Schweigen, das im Brüllen des Orkans schon lange nicht mehr wahrgenommen wird. Bevor das Unwetter alle Häuser abdeckt und Gedanken offenlegt, die besser ungesehen geblieben wären, wird es Zeit für ein kräftiges, herzhaftes Essen. Etwas das stärkt und hilft die Contenance zu wahren. Schupfnudeln, zum Beispiel, die so schnell und einfach zubereitet sind, dass man seine ganze Energie auf das Bewahren der eigenen Fassade richten kann. Auf dass sich die Renovierungsarbeiten, nach dem Sturm, in Grenzen halten mögen. Weiterlesen…

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Links with Love | Januar | Alice Donovan Rouse
Fotografin: Alice Donovan Rouse

Was lange vergessen war, ein wenig vor sich hingedümpelt ist, oder sich einfach überlebt hatte, darf in letzter Zeit ja gerne wiederaufleben. Das gilt nicht nur für überwunden geglaubte Ressentiments, sondern auch für vernachlässigte Blog-Gewohnheiten. So habe ich die „Links with Love“-Reihe 2016 ja etwas vernachlässigt. Das soll sich dieses Jahr wieder ändern, der Mantel des Vergessens wird gelüftet und hier somit wieder das geteilt, was mir in einem Monat besonders gut gefallen hat.

Was hat Euch am (oder im) Januar begeistert?
Alles Liebe,
Julia

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Zitronen-Pancakes | chestnutandsage.de

Nichts hört man nachts besser als das Dröhnen der eigenen Gedanken. Das Quietschen, wenn man sie von einer Seite auf die andere Seite des Gehirns schiebt. Der Knall, wenn man eine Gedankenkiste aus versehen umstößt. Der Hall, der bedrohlich und nicht enden wollend durch den Körper fließt, wenn man in die tagsüber verborgenen Abgründe seiner Seele blickt. Nichts spürt man nachts besser, als den brennenden Wunsch nach dem, was man nicht mehr hat – was sich dann doch nur als einfaches Sodbrennen herausstellt, wenn man wieder aufwacht, im Morgengrauen, das noch offen lässt, welche Dämonen einen durch den Tag begleiten werden. An solchen Tagen wieder zurück in das Leben zu finden mag nur mit Hilfe von etwas fluffig-süßem gelingen. Etwas, dass die Schrecken der Nacht mit Zuckerguss überzieht und sie, wenn doch nicht vergessen, zumindest erträglich macht. Weiterlesen…

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Dal mit Spinat | chestnutandsage.de

Wer über die vergangenen Weihnachtsfeiertage das Radio oder den Fernseher anschaltete, bekam bestimmt mit, dass mein erster Weihnachtsfeiertag vor allem durch eines bestimmt wurde – einer Fliegerbombe eines Krieges, der scheinbar so weit zurück liegt, dass sich heute kaum noch jemand daran erinnert. Denn wären das Leid, die Grausam- und Unmenschlichkeit noch präsent, würden heute bestimmt viel mehr Menschen ihre Herzen und Heime für jene öffnen, die vor aktuellen Kriegen und Krisen flüchten. 1,8 Tonnen Sprengstoff, gleich um die Ecke. Was dazu führte, dass mit mir 53.999 Menschen ihr Zuhause verlassen mussten. Und auch wenn das Vertrauen in die Fähigkeiten der Sprengmeister da war, so blieb die Beklemmung darüber, dass alle Menschen aus meinem normalen Umfeld, meinem 1,5 Kilometer großen Radius, meinem kleinen Dorf, evakuiert wurden. Einer Beklemmung, die mich den ganzen Tag über begleitete und die sich erst wieder auflöste, als die Mitteilung kam, dass die Evakuierung und die Evakuierungszone wieder aufgehoben wären. Denn wieder zurückkehren zu können in ein vollkommen sicheres und friedliches Zuhause, das ist ein großes Glück, das nur noch dadurch gesteigert wird, wenn man weiß, dass es in diesem an nichts mangelt. In dem man sich einfach an den Vorräten bedienen kann und ein ebenso zufrieden stellendes wie auch köstliches Abendessen zubereiten kann. Und in dem man sich sicher sein kann, dass sich an diesem Zustand auch am nächsten und übernachsten Tag nichts ändern wird. Weiterlesen…

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