Hinterhofflohmarkt Bismarckviertel | chestnutandsage.de

Mit dem Auftakt im Bismarckviertel hat die Flohmarkt-Saison in Augsburgs Hinterhöfen begonnen. Wie jedes Jahr ist der Flohmarkt im Nachbarviertel der schönste, vielleicht auch, weil nicht kommerziell ist und sich die Bewohner, Nachbarn und Gäste hier besonders viel Mühe geben zu zeigen, wie gute Nachbarschaft aussehen kann. Die Kellerschätze werden angepriesen, Kuchen und Sekt geteilt, hier ein Schwätzchen, dort ein großes Hallo. Die Karawane der Schnäppchenjäger zieht weiter, bis Ende Juli kann jede, die das Kuriose liebt, handeln und fündig werden. Denn Love ist nicht nur im Bismarckviertel, sondern auch in den anderen Hoods. Weiterlesen…

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Fermentierter Spargel | chestnutandsage.de

Transformation ist 2019 mein großes Thema. Nicht nur die digitale, nein, die sehr analoge und grundlegende Veränderung meiner selbst. Denn wenn ich etwas nie wollte, dann ein Leben, in dem ich mich am Ende der Woche belohnen muss durchgehalten zu haben. Mit Schuhen, mit Tand, mit Trallala. Denn alles dreht sich, alles bewegt sich, Du hast den Kopf über Wasser gehalten, gönn Dir! Dabei, und da halte ich es immer wieder mit Astrid Lindgren, muss ein Mensch einfach mal Zeit haben da zu sitzen und vor sich hin zu schauen. Die einzige Gönnung, die ich mir wirklich herbei sehne. Dabei weiß ich gar nicht, ob es dieses Wort noch gibt, Gönnung, vermutlich nutze ich es falsch, das Jugendwort 2015, wie jeder nicht mehr ganz so junge aber (darauf bestehende) jungebliebene Mensch, der den eigenen Kindskopf bis ins hohe Alter retten möchte. Ein wenig peinlich, von den Jüngeren und den Älteren belächelt. In weißen Sneakern und hochgekrempelten Hosenbeinen, Hochwasserhosen nannte man diese einmal, die Älteren unter den Junggebliebenen erinnern sich. Veränderung also. Auch in der Küche. Denn darum geht es ja heute, beim Fermentieren, die innere Struktur eines Lebensmittels so zu verändern, dass es haltbar wird und auch nach der eigentlichen Saison noch schmeckt. So wie dieser Spargel. Der vermutlich gar nicht so lange halten wird, zu gut steht ihm der Wandel, dieser einzigen Konstante, um die sich alles dreht.  Weiterlesen…

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Singapore | Fotograf Ryan Cheng | unsplash
Fotograf: Ryan Cheng

Mein Happy Place liegt am anderen Ende der Welt. CO2-unverträglich. Unvernünftig. Und trotzdem zieht es mich nach Singapur, immer und immer wieder. Und wo das Land zu jung ist um alte Gebäude, die Sprachen zu unterschiedlich um gemeinsame Lieder zu haben, da beruhigt es, dass die gemeinsame Küche, das gemeinsame Essen, die Funktion eines kulturübergreifenden Kitts übernommen hat. Be(un)ruhigend (un)überschaubar sind die Veränderungen, immer noch gibt es die Hawker, die in ihren kleinen Ständen Handwerkskunst beherrschen und die beste Kokosmilch, die köstlichsten Curry-Pasten und die niemals in Vergessenheit geratenen Poh Pia zubereiten. Lebt man ohne Einbürgerung in diesem fernen Land, ist man – je nach Hautfarbe und Herkunft – ImmigrantIn oder Expat. Den Unterschied macht das Geld und mit ihm die einhergehende Macht. Den Unterschied macht, wieviel Respekt diesen Menschen entgegengebracht wird. Was zu beschämenden Situationen führt, trifft man entweder die Einen, wie sie am Sonntag in den gekühlten Aufgängen der MRT-Stationen picknicken und im Kreise ihrer FreundInnen ein Gefühl von Heimat heraufbeschwören oder die Anderen, die im schicken Beach Club Drinks mit Schirmchen trinken und versuchen ein Leben, das nicht glänzt, zu vergolden. Und wie die Einen, so bleiben auch die Anderen unter sich. Wie in Crazy Rich Asians, der hier in den Kinos überhaupt nicht lief (und wenn doch, dann nur unter dem Titel “Crazy Rich”, als ob man einem deutschen Publikum keinen Film zeigen könne, der nicht eurozentrisch ist), obwohl doch sonst jede andere RomCom mit den Emma Stones dieser Welt für vier bis acht Wochen jeden noch so liebeshungrigen Kinogast beglücken darf. Singapur also. Meine Lieblingsstadt. Trotz aller Wenns, trotz aller Abers. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich mich darin so gerne mochte. Weshalb es bestimmt nicht die letzte Reise war. An meinen happy place, nach Singapur. Weiterlesen…

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NYC ConeyIsland | Paul's Daughter | chestnutandsage.de

Der April, so habe ich gelernt, beginnt am gleichen Wochentag wie der Juli, in Schaltjahren wie der Januar. Geprüft habe ich diesen Smalltalk-tauglichen Fakt noch nicht, vermutlich werde ich das auch nie, denn so würde man jedes zarte Aufblühen wilder Spekulationen im Keim ersticken und so den Sinn des beiläufigen Geplänkels ad absurdum führen. Absurd war der April auch, erstaunlich dass er einfach so vorbei ist ohne dass ich wirklich etwas von diesem sonnigen Monat mitbekommen habe. Was mich nicht davon abgehalten hat, ein wenig zusammenzutragen, was mir besonders gefallen hat:

Habt einen schönen Mai!
Julia

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Eingelegte Kräuterseitlinge mit Bohnen-Hummus | chestnutandsage.de

Manchmal ist sie da, die zündende Idee. Dabei habe ich oftmals einen Sicherheitskopf: Vorne voll mit Stroh, dahinter ein Eimer Wasser, damit ich bei eben jenen brangefährlichen Gedanken den Kopf einfach nur schütteln muss, damit er nicht Feuer fängt. Ein gemeines Gleichnis, aber gemein kann ich gut. Der schmale Grat zwischen Belustigung und Beleidigung ist mein Weg, den ich oftmals einschlage, um dem Trott und der Langeweile zu entkommen. Provokation des provozieren Willens. Die Contenance schwankend, die Masken fallend. Man werde mich nicht besonders mögen, prophezeite mir einst ein Glückskeks, den ich mir teilte mit E. die aber zur Familie gehört und mich deshalb mögen muss, man kann sich nicht aussuchen, in was man hineingeboren wird. Dabei würde man das ja manchmal gerne, die Familie wechseln, ein Gedankenspiel, was wäre wenn? Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich. Wusste schon Anna Karenina. Dabei hätte man keine Probleme, wäre man gar nicht geboren worden, was vermutlich wieder andere Probleme mit sich gebracht hätte. Zumindest würde man leichter an eine Wohnung kommen, denn wo es nur noch Zweieinhalbzimmerwohnungen mit Staffelmietverträgen gibt, wie soll man sich da mit der gerade gegründeten Familie noch frei entfalten können? Immerhin die Küche ist in solchen Wohnungen noch offen, im Gegensatz zur Gesellschaft, die ihre Türen lieber verschließt um nicht nur ihre Köpfe in Sicherheit zu wiegen, sondern damit auch die eigene kritischen Fähigkeit auszuschließen. Dabei leben in freien Gesellschaften freie Geister, und meiner neigt heute zum Spielen. Mit Pilzen, Gewürzen und Hummus. Denn nicht nur das Spiel, sondern auch das Kochen, das Essen, braucht der Mensch zur Menschwerdung. Süß und sauer, wie das Leben, mit Sicherheit. Weiterlesen…

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Kisir | veganer Bulgursalat | chestnutandsage.de

Die Gedanken zwitschern wie Kanarienvögel. Hektisch, unstet, laut, in ordinärem Gelb. Gefangen sind sie in meinem Kopf, in den sie ihren Unfug mit spitzen Schnäbeln hacken. Weh tut er mir, was aber auch vom immer ungesunden Auf-den-Monitor-Schauen kommen kann. Spannungskopfschmerz nennt man das und unter Spannung stehe nicht nur ich, sondern auch der, der mit mir lebt. Denn drehen die Vögel ihre Runden, bekommt er die Spitzen ab. Deshalb schließe ich die Augen, schalte die Entspannungsapp ein, und träume mir zum Vogelgezwitscher ein glucksendes Bächlein und brummende Bienen. Und während mein einschlafendes Ich über eine imaginäre Blumenwiese wandelt, deckt mich die Sonne mit ihren warmen Strahlen zu und lässt mich von fernen Ländern träumen, wo die Geflügelten über meeresblauem Himmel lebenstolle Kapriolen und damit die Wilddruden in die Flucht schlagen. Urlaubsreif nennt man das und da der Urlaub in weiter Ferne liegt, muss er heute eben auf den Teller und nach einem Tag in Istanbul schmecken. Das im besten aller Sinne hektisch, unstet und laut ist und – so wie der Kisir – in den buntesten aller Farben leuchtet.  Weiterlesen…

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